Drei Klöster und ein Römerschatz

Dekanatskulturfahrt führte nach Niederbayern - Wiedersehen mit Schwester Lambertis im Kloster Mallersdorf

Straubing war das Ziel der diesjährigen Dekanatskulturfahrt Anfang September. Fast 60 Teilnehmer machten sich am frühen Morgen unter der Leitung von Rita Cebulla und in Begleitung des Dekanatsratsvorsitzenden Michael Koller auf die Reise, um die Donaustadt und drei niederbayerische Klöster kennenzulernen. Erste Station war Mallersdorf-Pfaffenberg, nur 30 Kilometer vor den Toren Straubings. Ein freudiges Wiedersehen gab es mit Schwester Lambertis, die vielen Berchtesgadenern noch in bester Erinnerung ist. Die „Armen Franziskanerinnen“, gegründet von Paul Josef Nardini, leben in Mallersdorf seit 1869 und sind uns heute als die Mallersdorfer Schwestern bekannt. Berühmt ist die Pfarr- und Klosterkirche Sankt Johannes vor allem wegen des Hochaltars, eines der Hauptwerke des Rokokobildhauers Ignaz Günther.

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Schwester Lambertis freute sich sehr über den Besuch aus Berchtesgaden.

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 Der Hochaltar der Klosterkirche St. Johannes Evangelist in Mallersdorf gilt als eines der Hauptwerke des Rokoko-Bildhauers Ignaz Günther. 

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hl. Scholastika, hl. Kunigunde, hl. Kaiser Heinrich II., hl. Benedikt.

Nach kurzer Fahrt bezog die Gruppe in Straubing das Hotel und zahlreiche Reiseteilnehmer erkundeten noch am Abend die Gäubodenstadt. Am nächsten Vormittag stand zunächst ein Rundgang durch das wunderschöne Straubing auf dem Programm. Begleitet von kompetenten Stadtführerinnen lernten die Besucher eine alte Kulturstadt mit einem hervorragend sanierten Stadtkern kennen, mit ansprechend restaurierten Häusern und einem 600 Meter langen Stadtplatz. Dieser ist umgeben von ansehnlichen Bürgerhäusern und man fühlt sich dort von dem mächtigen Stadtturm gut beschützt. Die Teilnehmer besichtigten die Kirche St. Jakob, die Karmelitenkirche und die Ursulinenkirche, bevor es ins Gäubodenmuseum ging. Dort ist der Straubinger Römerschatz, einer der bedeutendsten römischen Funde in Deutschland, ausgestellt: eine eindrucksvolle Sammlung von Rüstungsgegenständen wie Gesichtshelmen, Beinschienen und Scheuklappen für Pferde.

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Das Hotel "Theresientor" steht direkt am Marktplatz, daneben die Traditionsgaststätte "Zum Geiss".

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Von der Hotelterrasse bietet sich ein herrlicher Ausblick auf den großen Marktplatz mit dem beherrschenden Stadtturm.

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Das zweite Wahrzeichen Straubings neben dem Stadtturm ist die Dreifaltigkeitssäule.

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Die größte Kirche Straubings ist die Stadtpfarrkirche St. Jakobus und St. Tiburtius.

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Im Schrein des Hochaltars sind Maria mit Kind, die Kirchenpatrone Jakobus und Tiburtius sowie Maria Magdalena und der hl. Leonhard dargestellt.

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Die Stadtpfarrkirche St. Jakob hat in zwei Reihen übereinander 44 Buntglasfenster. Eines davon zeigt die Flucht nach Ägypten (Ausschnitt).

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Jesus, der Kinderfreund (Ausschnitt). Die meisten Fenster sind aus der Zeit um 1900.

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Der Entwurf für das sogenannte "Moses-Fenster" (um 1498) stammt von Albrecht Dürer.

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Gesichtshelme vom orientalischen Typ in der römischen Abteilung des Gäubodenmuseums.

Nachmittags ging es zum Klosterdorf Windberg, dessen Name auch bei früheren Kulturfahrten eine Rolle spielte, so beispielsweise in Roggenburg, wo die Hilfe aus Windberg bei der Wiederbesiedelung des Klosters gut gelang, oder in Speinshart mit der Administration durch den Windberger Abt. Das Koster Windberg ist im 12. Jahrhundert entstanden, als sich Angehörige des gerade erst gegründeten Prämonstratenser-Ordens zur Seelsorge im Bayerwald und im Böhmerwald zusammenfanden. Auch entstand damals eine berühmte Schreibschule. Heute betreiben die Windberger Prämonstratenser eine Jugendbildungsstätte, sie pflegen die Seelsorge in verschiedenen umliegenden Pfarreien und üben die Sonderseelsorge bei der Bundespolizei, der Bundeswehr und in der Justizvollzugsanstalt aus. Überraschend ist die innere Ausgestaltung der außen romanisch-schlichten Klosterkirche. Neben einem eindrucksvollen alten Taufbecken überwältigen die im farbenfrohen Rokokostil bühnenartig gestalteten Seitenaltäre.

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Die Klosterkirche Windberg entstand größtenteils im 12. Jahrhundert.

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Gut erhalten sind die beiden romanischen Eingangsportale. Im Tympanon des Hauptportals eine Marienfigur mit Apfel und Jesuskind als Symbol der "neuen Eva", eingeramt von dem knienden Kirchenstifter Graf Albrecht und der "Mutter Kirche". 

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Im Inneren der Klosterkirche überwiegt Rokoko. Interessant sind die vier Seitenaltäre, die wie eine Bühne mit Kulissen, Bühnenbild und Figuren gestaltet sind.

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Auf dem Altar der heiligen Katharina schlägt ein Blitz in das Rad ein, eingerahmt von täuschend echt aussehenden Bücherschränken.

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Dem heiligen Sabinus, Bischof  von Assisi, werden die Hände abgehackt. Der Ochsenkopf weist darauf hin, dass Graf Albert der Legende nach die Gebeine des Märtyrers mit dem Ochsenkarren nach Windberg gebracht haben soll. 

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Das reich mit Intarsien eingelegte Chorgestühl war zusammen mit den reich verzierten Sakristeischränken eine "Lebensaufgabe" des Laienbruders Fortunatus Simon.

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Über 400 Sterne zieren die Pfarr- und Klosterkirche Windberg. Sie sind Symbol für die Kirchenpatronin Maria, die "Königin der Sterne".

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Der romanische Taufstein zeigt die zwölf Apostel.

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Blick von der Hotelterrasse auf den Straubinger Marktplatz.

Am Abend des erlebnisreichen Tages gab es eine Bierprobe mit verschiedenen Sorten der ältesten Straubinger Klosterbrauerei, abgehalten von der Chefin eines Straubinger Traditionslokals, einer der wenigen deutschen Biersommelièren. Mit umfassendem Wissen, Witz und Charme erzählte sie viel Interessantes und Unterhaltsames von ihrer Arbeit und von den verschiedenen Biersorten und gestaltete so einen genussreichen, fröhlichen Abend.

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Pinkfarbene Schuhe, Wadlstrümpfe, kurze Lederhose und bedrucktes T-Shirt: Das ist die erfolgreiche Wirtin "Michi", die als Bier-Sommelière eine Bier-Verkostung im Gasthaus "Zum Geiss" begleitete.

In Passau war es am nächsten Vormittag trüb, als sich die Gruppe zur Drei-Flüsse-Schiffsrundfahrt einfand. Trotzdem genossen die Teilnehmer auf dem ruhigen Wasser von Donau, Inn und Ilz eine beschauliche Rundfahrt mit Blick auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt.

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Der Dom St. Stephan steht beherrschend auf der höchsten Erhebung der Altstadt zwischen den Flüssen Inn (Foto) und Donau. Er ist einer der größten Dome mit dem größten barocken Kircheninnenraum nördlich der Alpen.

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Wegen des Regenwetters konnte das malerische Stadtbild Passaus nur aus dem Unterdeck besichtigt werden.


Letzter Programmpunkt war nach der Mittagspause eine Führung in der Zisterzienserinnenabtei Thyrnau, die vor allem durch ihre Paramentenstickerei bekannt ist. Eine heilige Messe in der Klosterkirche mit Dekan em. Anetseder beschloss die abwechslungsreiche dreitägige Dekanatskulturfahrt.

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Wie die Berchtesgadener Stiftskirche hat die Klosterkirche Thyrnau ein Hochaltarbild "Aufnahme Mariens in den Himmel". Es stammt von 1947.

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Auch die Pfarrei St. Andreas hat schon in der Zisterzienserinnenabtei Thyrnau Messgewänder anfertigen lassen.

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Text: "Berchtesgadener Anzeiger" vom 10. September 2019
Fotos: Andreas Pfnür

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