Traumgedanken von einer Pfarrgemeinde oder Quo vadis Stiftsland?

Betrachtungen von Johannes Schöbinger

Gotisches Südfenster der Stiftskirche - ca. 1300
Gotisches Südfenster der Stiftskirche - ca. 1300


Ich träumte von einer Pfarrgemeinde, in der einer dem anderen hilft und in der jeder gebraucht wird, in der man einander dient, so wie Christus gedient hat, in der die natürlichen Gaben in den Dienst der Gemeinde eingebracht werden und in der man die Werke Gottes in Tat wie auch im Wort sieht.

Ich träumte von einer Pfarrgemeinde, in der Platz für alle ist, für die Gesunden und die Kranken, für die Starken und die Schwachen, für die Jugendlichen und die Alten, für die Aktiven und die Beschaulichen und auch für alle, die müde sind oder resigniert haben.

Ich träumte von einer Pfarrgemeinde, in der jeder mit jedem offen und ehrlich redet, in der Konflikte fair ausgetragen werden, in der Mutlose ein offenes Ohr finden, in der Traurige getröstet werden und Einsame einen Ansprechpartner finden.

Ich träumte von einer Pfarrgemeinde, in der das Wort Gottes so verkündet wird, dass es von den Menschen als Frohbotschaft verstanden wird, ihnen im täglichen Leben hilft und sie anderen unaufdringlich, gelassen, aber überzeugend davon erzählen.

Ich träumte von einer Pfarrgemeinde, in der Seelsorge heißt, sich um die Sehnsucht der Menschen zu sorgen, das Leid mit ihnen zu tragen, ihre Freuden zu feiern und sie so auf dem Weg durchs Leben zu Gott zu begleiten.

Ich träumte von einer Pfarrgemeinde, in der Gottesdienste Feste sind, bei denen sich alle wohl fühlen, bei denen sie die nötige Kraft für den Alltag tanken können, und wo Kinder willkommen sind, selbst wenn ihr Lied zur Ehre Gottes nicht im Gotteslob zu finden ist.

Ich träumte von einer Pfarrgemeinde, in der man sich einmischen darf in die Fragen, Probleme und Entscheidungsvorgänge der Gemeinde: Denn Salz neben der Suppe, Sauerteig neben dem Sack Mehl, Licht in einem verschlossenen Kasten sind wirkungslos – eine Pfarrgemeinde muss schmecken, einladen, hell und gastfreundlich sein und bleiben - sonst könnte man sie glatt vergessen.

Ich glaube an diesen Traum. Denn wer keinen Mut hat zum Träumen, der hat auch keine Kraft sich einzusetzen, damit seine Visionen in seiner Gemeinde Gestalt annehmen und lebendig werden.

 

Johannes Schöbinger

(Anmerkung: Der ursprüngliche Text „Eine Traumgemeinde“ stammt von Sören Kierkegaard (1813-1855) einem dänischen Philosophen, Theologen und Schriftsteller, der als engagierter Verfechter der Idee des Christentums gegen die Realität der Christenheit galt. Der Text wurde von Zeit zu Zeit immer wieder ergänzt und verändert; hier im Sinne von Martin Luther King.
Auch für eine Pfarrgemeinde kann folgendes Handlungsmotto gelten: „Träumen – Glauben – Planen – Arbeiten“.)

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