Morgenland trifft Abendland

Ökumenischer Gesprächsabend von Frauenbund und „Tee-nach-Sieben“

Seit vielen Jahren schon laden der Berchtesgadener Frauenbund und die Gruppe „Tee-nach-Sieben“ im Mai zu einem Ökumenischen Gesprächsabend ein. Das Thema dieses Jahres, „Morgenland trifft Abendland“, war an Aktualität und Brisanz kaum zu übertreffen. Und die aktive Gesprächsrunde zeigte auch das große Bedürfnis, über dieses historische Zusammentreffen von Islam und Christentum sprechen und diskutieren zu können. Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und Pfarrer Peter Schulz hatten es dankenswerterweise übernommen, mit kurzen Einstiegsreferaten ihre ganz persönlichen Sichtweisen zum Thema aufzuzeigen.

Gesprächsrunde

Um die heutige Situation besser zu verstehen, skizzierte Pfarrer Schulz zuerst grob die Entwicklung des Islam – vom Mittelalter, in dem es an jedem Königshof einen Botschafter aus der islamischen Welt gab, über die Sympathien in Europa für das Arabische im 18. und 19. Jahrhundert und dem schließlich in die Bedeutungslosigkeit gefallenen Islam, als europäische Staaten die übrige Welt kolonialisierten und damit dominierten.

Mit dem Ende der Kolonialisierung wuchs das Selbstbewusstsein islamischer Staaten wieder und damit auch ihr Wunsch, erneut einen Platz auf der Weltbühne zu besetzen. Mit dem aus ihrer Geschichte erfahrenen Minderwertigkeitsgefühl sind allerdings vor allem einfache Menschen auf dem Land auch heute noch politisch beeinflussbar – vergleichbar etwa der Situation der Deutschen nach dem verlorenen 1. Weltkrieg.

Pfarrer Dr. Frauenlob fügte vor allem mit der Erinnerung an die Türken vor Wien die bis heute nachwirkende, angstvolle Erfahrung der Europäer mit dem Islam hinzu. Dem setzte er Auszüge aus dem 2. Vatikanischen Konzil entgegen, das über Gemeinsamkeiten im Glauben eine Annäherung an den Islam und damit einen Abbau von Urängsten versucht hatte.

Beide Pfarrer definierten in diesem Zusammenhang auch die wesentlichen Elemente und Strömungen des Islam, der übersetzt „Hinwendung zu Gott“ bedeutet. Die Zusammenarbeit mit dem Christentum wird allerdings erschwert, weil der Islam zwar Rechtsgelehrte und einflussreiche Rechtsschulen kennt, jedoch keine gemeinsame Vertretung und zudem schon seit Mohammeds Zeiten die beiden großen Gruppen der Sunniten und Schiiten verfeindet sind.

Sehr lebhaft wurden auch provokante Fragen diskutiert, ob etwa eine Islamisierung Europas tatsächlich verheerend wäre, ob der christliche Wertekanon Menschen wieder mehr Sicherheit vermitteln könnte, wie es um den Missionierungseifer der Muslime bestellt sei oder warum deutsche Jugendliche zu Selbstmordattentätern und Kämpfern werden. Auch die drängenden Sorgen wurden nicht ausgespart angesichts von Terror des so genannten Islamischen Staats, der auf völlige Verunsicherung abzielt: Wie ist vor allem mit dem damit verbundenen Rückschritt an Freiheit und Vertrauen in der Gesellschaft umzugehen?

Als ermutigenden Ausblick und Abschluss zitierte Pfarrer Schulz aus der Bergpredigt, dass es genug sei, „dass jeder Tag seine Sorgen hat“; während Pfarrer Dr. Frauenlob seine Hoffnung auf den Sieg der Menschlichkeit setzte. Nur die fortgeschrittene Stunde beendete damit einen bewegenden und zugleich informativen Abend.

Ursula Kühlewind
Pfarrhaus Christuskirche Berchtesgaden, 12. Mai 2016

Ökumenischer Abschluss eines ökumenischen Abends (von rechts): Kathi Stangassinger (1. Vorsitzende des katholischen Frauenbunds Berchtesgaden) bedankte sich bei Pfarrer Peter Schulz für die bereichernde Gesprächsrunde und Elisabeth Bülow (Team-Frau von „Tee-nach-Sieben“) bei Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob.

Ökumenischer Abschluss eines ökumenischen Abends (von rechts): Kathi Stangassinger (1. Vorsitzende des katholischen Frauenbunds Berchtesgaden) bedankte sich bei Pfarrer Peter Schulz für die bereichernde Gesprächsrunde und Elisabeth Bülow (Team-Frau von „Tee-nach-Sieben“) bei Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob.

 

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